Den Blick in die Zukunft gerichtet: Ohne Nachwuchs geht es nicht

 

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer konnten schon im Jahr 2016 über die Hälfte der Betriebe im Gastgewerbe ihre offenen Lehrstellen nicht besetzen. Seitdem hat sich die Lage weiter verschlechtert. Klar ist: Je länger Betriebe diese Situation einfach hinnehmen, desto dramatischer wird sie werden.

Nachvollziehbares Desinteresse

Es ist kein Geheimnis: Die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie sind oftmals alles andere als optimal. Wer hat schon Lust, ständig zu arbeiten, wenn andere frei haben? Personalausfall, Fehlplanungen und Überstunden sorgen oft schon vor Arbeitsbeginn für Frust. Zu guter Letzt treibt der Gehaltsscheck die Motivation am Ende des Monats noch weiter nach unten … Kurz gesagt: Die Gründe, warum viele Jugendliche nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung in der Gastronomie kaum noch in Erwägung ziehen, sind gut nachvollziehbar.

Ausbildung vs. Studium

Das Problem mit dem fehlenden Nachwuchs in Gastronomieberufen gründet aber nicht nur auf vermeintlich schlechten Konditionen. Zum ohnehin unattraktiven Angebot in der Gastronomie kommt hinzu, dass Ausbildungsberufe allgemein in den letzten Jahren stark an Attraktivität eingebüßt haben. Immer mehr Jugendliche wählen ein Studium, erhoffen sich dadurch mehr Freizeit und anschließend ein besseres Gehalt.

Dieser Trend wird durch duale Studiengänge noch verstärkt. Die Frage, ob theoretisches oder praktisches Arbeiten besser zu einem selbst passt, spielte bei der Entscheidung für Ausbildung oder Studium früher eine zentrale Rolle. Diese klare Abgrenzung gibt es mit dualen Studiengängen heute aber kaum mehr.

Es liegt nun an den Unternehmen, intern aufzuräumen und bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Ausbildung wieder besser zu vermarkten? Was können Betriebe tun, um Ausbildungsangebote attraktiver zu machen?

Betriebe sollten Argumente, die für eine Ausbildung sprechen, stärker betonen. Denn Vorteile, die nur eine Ausbildung bietet, liegen auf der Hand:

  • Maximaler Praxisbezug von Anfang an
  • Selbstständiges arbeiten
  • Finanzielle Unabhängigkeit, da Azubis von Anfang an ihr eigenes Geld verdienen
  • Hohe Übernahmewahrscheinlichkeit nach erfolgreicher Ausbildung
  • Gute Jobchancen auch im Ausland, denn der Fachkräftemangel trifft Ausbildungsberufe besonders stark
  • Studieren ist auch noch nach der Ausbildung berufsbegleitend möglich

Betriebe müssen außerdem lernen, ihre eigenen Vorteile stärker in den Fokus zu rücken. Was ist bei ihnen im Vergleich zu anderen Betrieben anders und besser? Was macht sie einzigartig? Wodurch wird der Zusammenhalt im Team gestärkt? Die engagiertesten Azubis können von ihren Chefs sogar für Auszeichnungen wie den Azubi-Award Systemgastronomie des DEHOGA Bundesverbands nominiert werden. Eine tolle Form der Wertschätzung für den Nachwuchs.

Azubis zusätzlich unter die Arme greifen

Warum nicht auch weiterdenken? Ein fehlender oder nur schlechter Schulabschluss bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Azubi auch bei der Arbeit unmotiviert sein wird. Es gibt diverse nationale und regionale Programme, die Jugendlichen zu einer besseren Einstiegsqualifizierung verhelfen oder sie während der Ausbildung im beruflichen und privaten Umfeld begleiten. Programme wie diese geben den Jugendlichen zusätzlichen Halt und unterstützen sie dabei, ihren Platz in der Arbeitswelt zu finden. Und wenn dann die Arbeit auch noch Spaß macht, profitieren beide Seiten: Einem langfristigen Arbeitsverhältnis steht nichts mehr im Wege!

Lesen Sie mehr zum Thema in weiteren Folgen unserer Serie „Fachkräftemangel als große Herausforderung in der Gastronomie“:

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