Wandelnde Bewohnerstrukturen und Bedürfnisse in der Seniorenverpflegung: ein täglicher Kraftakt

Wir werden immer älter und bleiben immer länger fit. Was eigentlich Grund zur Freude ist, hat Auswirkungen auf unsere Versorgung im Alter. Früher zogen Rentner*innen, wenn es nicht mehr anders möglich war, alleine zu leben oder zu Hause ausreichend gepflegt zu werden, ins Altenheim. Heute wird der Schritt so lange wie möglich hinausgezögert. Als Folge sind Altenheime mit veränderten Bewohnerstrukturen konfrontiert:

  • Neue Bewohner*innen sind aufgrund ihres Alters von Anfang an weniger fit.
  • Im hohen Alter tritt immer häufiger Demenz auf.
  • Viele Neuzugänge im Altenheim sind stark mangelernährt.
  • Generell ist es schwer, ausreichend Fachkräfte zu finden.

Gabriele Kösterke, Fachplanerin und Gesellschafterin bei KÖSTERKE INGENIEUR CONSULTING GbR, ist durch mehrere Jahrzehnte Berufserfahrung mit den sich wandelnden Strukturen vertraut. Sie weiß aber auch, dass diese nicht die einzigen Herausforderungen in der Speisenverteilung sind: „Die Anzahl der Bewohner*innen, die ihre Speisen im Speisesaal zu sich nehmen, sinkt. Viele sind nicht mehr in der Lage, in den Speisensaal zu gehen oder ziehen, zum Beispiel aus Scham danebenzugreifen, das eigene Zimmer zum Essen vor. Gleichzeitig bemüht sich das Pflegepersonal, diese Bewohner*innen zum gemeinschaftlichen Essen in den Wohnbereichen zu motivieren. Dann gibt es noch die mobileren Bewohner*innen, die gerne in der Wohnbereichsküche selber kochen wollen.“

Es ist klar ersichtlich: Die Speisenverteilung wird immer vielfältiger und komplizierter. Frau Kösterke weiß: „Eine adäquate Versorgung zu gewährleistet wird so zu einem wahren Kraftakt für alle!“

Praxistipps für die Seniorenverpflegung

Mangelernährung

Tipp 1: Es hilft, die Essbiografien der Bewohner*innen zu kennen und so zu bedienen – bei Bedarf in abgewandelter Form auf pflanzlicher Basis. Kriegen Bewohner*innen die Speisen angeboten, die sie schon immer gerne gegessen haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ausreichend essen, höher.

Tipp 2: Speisen können mit natürlichen Lebensmitteln angereichert werden und so der oft auftretenden Mangelernährung entgegenwirken. Als „Getränk“ für nebenbei sind beispielsweise Smoothies wahre Vitaminbomben, die auch noch gut schmecken.

Sicherheit im Handling

Tipp 3: Auf funktional angepasstes, farblich gut erkennbares Geschirr setzen, damit auch Bewohner*innen mit einem geringeren Sehvermögen sich beim Essen sicher fühlen. So bleiben sie nicht aus Scham im eigenen Zimmer.

Durchdachte Konzepte bei der Speisenverteilung

Tipp 4: Es sind Konzepte gefragt, die trotz verschiedener Verteilwege wenig Personal erfordern. Während dies bedeutet, dass in Küchen eher abgerüstet und auf technisch einfach zu verstehende Geräte gesetzt werden muss, braucht es in Wohnbereichsküchen mehr Kühl-, Regenerier- und Spülgeräte.

Tipp 5: Reduzierung der Speisenvielfalt erfordert weniger Personal beim Portionieren. Dabei muss natürlich trotzdem Rücksicht auf Bewohner*innen mit Unverträglichkeiten oder Diäten genommen werden.

Tipp 6: Geräte mit einer ausgereiften Technik nutzen, die den Ansprüchen gerecht wird. Statt einer herkömmlichen Haushaltsmaschine eine gewerbliche Geschirrspülmaschine nehmen, die Aspekte wie eine thermische Desinfektion gewährleisten kann.

Vielleicht auch interessant? Neue Ansprüche an die Seniorenverpflegung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.